Biographie1907-1919
1907
 Fritz Wotruba wird am 23. April in Wien als jüngstes von acht Kindern geboren. Sein Vater, Adolf Wotruba (geb. 30.4.1855 in Neuhaus [Jindrchradec] / Böhmen, gest. 12.2.1928 in Wien) arbeitete als Schneidergehilfe. Am 7. Juli 1890 heiratete er Maria Kocsis (geb. 27.8.1860 in Nagy Megyer/Ungarn, gest. 8.4.1939 in Wien), Wotrubas Mutter. Die Familie Wotruba wohnt in der Florianigasse 31/31 im 8. Wiener Stadtbezirk. Robert Musil beschrieb 1955 die Eltern Wotrubas: «Vater breit und kleiner als die Söhne. Parteimitglied (der Sozialdemokraten) mit niederer Nummer. Von den Führern in Versammlungen begrüsst. Sonst still und für Ordnung. Schneider bei Habig. ‹Bedient› Graf X und Y, was heute noch mit einem gewissen Stolz erwähnt wird. Verprügelt einmal mit Hilfe der grösseren Söhne den gefährlichen und verbrecherischen Xandl. Aber im Krieg spuckt er vor jedem Kaiserbild aus oder spuckt es an, und nur seine Wohlgelittenheit bei der Polizei rettet ihn vor Verhaftungen. Die Mutter, zu Fuss von Ungarn kommend, um in Wien Dienstmädchen zu werden, liest als alte Frau den ‹Mann ohne Eigenschaften›».
1908-1921
 1913-1918
1913 bis 1918 besucht Wotruba die öffentliche allgemeine Volksschule.

1918—1921
Von 1918 bis 1921 ist Wotruba Schüler der öffentlichen Knaben-Bürgerschule in Wien. 1920 wird er mit einer Gruppe in der Nachkriegszeit notleidender österreichischer Kinder zur Erholung nach Capodistria geschickt. Von Ende Januar bis Anfang August lebt er bei der italienischen Familie Grio. Er befreundet sich mit Kerubin Begelj, einem jungen slowenischen Mönch aus dem nahen Franziskanerkloster. Beinahe täglich besucht der junge Wotruba das Kloster, wo er oft zeichnet. Im April schenken ihm die Mönche Ölfarben, damit er auch malen kann. Wotruba hat zudem Zugang zu der kleinen Bildergalerie in der Klosterbibliothek. Die dortigen Gemälde beeindrucken ihn, wie er in einem später verfassten Text festhält, nachhaltig.