Der Verein 1995 - 2007
  Tätigkeit des Fritz Wotruba-Vereins
unter der Präsidentschaft Prof. Dr. Wilfried Seipels



In der Generalversammlung am 29. März 1995 wurde Prof. Dr. Wilfried Seipel zum Präsidenten des Fritz Wotruba-Vereins gewählt. Mit Prof. Dr. Seipel begann für diesen Verein, der 1986 gegründet worden war, eine neue Ära, die sowohl eine Professionalisierung des internen Vereinsbetriebs als auch der Leihe- und Ausstellungstätigkeit des Vereins sowie den Abschluß wichtiger bis dahin nicht verwirklichter Projekte und Ziele brachte.


1. Geordnete Vereinsführung gemäß der Vereinsstatuten
Neuorganisation und Professionalisierung des Vereinsbetriebs

a) Professioneller Vereinsbetrieb
Seit der Übernahme der Präsidentschaft durch Dr. Seipel finden gemäß der Vereinsstatuten jährlich eine Generalversammlung und eine oder mehrere Vorstandssitzungen statt. Dies war in den Jahren davor nicht der Fall, mitunter haben Generalversammlungen in einigen Jahren überhaupt nicht stattgefunden.
Dr. Seipel schuf ein Vereins-Sekretariat und damit die Voraussetzung für eine Verbesserung der Vereinsorganisation. In der Folge wurde die Mitgliederverwaltung neu organisiert, jährlich die Mitgliedsbeiträge ausgeschrieben, Sitzungsunterlagen und –protokolle für die Mitglieder bereitgestellt, die Korrespondenz in Evidenz gehalten, ein Vereins-Bürobetrieb aufgebaut.

b) Alarmanlage
Bald nach Amtsantritt ließ Dr. Seipel das sogen. „Wotruba-Haus“, eine Villa in Döbling, die den Nachlass, die Sammlungen und das Büro beherbergte, mit einer Alarmanlage versehen.
Das Haus war bis dahin – trotz zweier Einbrüche, bei denen aber keine Kunstwerke Wotrubas gestohlen wurden – nicht elektronisch geschützt gewesen!

c) Erst seit der Präsidentschaft Dr. Seipel findet jährlich eine professionelle Rechnungsprüfung des Vereins durch einen Wirtschaftsprüfer, Mag. Christian Hofer statt. Mag. Christian Hofer präsentiert die ordnungsgemäßen Rechnungsabschlüsse jeweils der Generalversammlung, stellt in der Generalversammlung schriftliche Zusammenfassungen für jedes Mitglied als Tischvorlage zur Verfügung und legt jeweils einen umfassenden schriftlichen Jahresbericht vor, der ebenso den Mitgliedern zur Einsicht zur Verfügung steht und im Vereinsbüro in Evidenz gehalten wird. Seit der Präsidentschaft Dr. Seipel ist die ordnungsgemäße Finanzgebarung des Vereins und ihre Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleistet.


2. Feststellung des Vereinsvermögens.
Erfassung und Bewertung der Vereins-Sammlung

Eine der ersten Maßnahmen des neuen Präsidenten Dr. Seipel war der Auftrag zur Feststellung des Vereinsvermögens - sowohl in finanzieller Hinsicht als auch hinsichtlich des künstlerischen Nachlasses Fritz Wotrubas.
a) Der Wirtschaftsprüfer Mag. Christian Hofer wurde durch den Vorstand im Herbst 1995 beauftragt, die Finanzgebarung des Vereins bis zu dessen Gründung 1986 nachzuvollziehen. Er legte der Generalversammlung 1997 die (bis dahin offenbar fehlenden) ordnungsgemäßen Rechnungsabschlüsse der Jahre 1986 bis 1996 vor.
Für die folgenden Jahre hat Mag. Hofer, wie oben bereits angeführt, jährlich Rechnungsberichte vorgelegt.
b) Mag. Christian Hofer überprüfte in Zusammenarbeit mit Prof. Engelbert Lanzenberger, einem Mitarbeiter Wotrubas und Kenner seines Werks, und Mag. Gabriele Stöger-Spevak 1995/1996 auch die damals vorhandenen Inventaraufzeichnungen des künstlerischen Nachlasses Fritz Wotrubas sowie anderer Kunstgegenstände und bedeutender Objekte in Vereinsbesitz (Privatsammlung Wotrubas, Archivdokumente). Es wurden aktuelle Bestandslisten angefertigt.
c) Prof. Seipel beauftragte die photographische Bestandsaufnahme aller sich in Vereinsbesitz befindlichen Zeichnungen Fritz Wotrubas, die bis dahin nicht existiert hatte. Diese Maßnahme wurde von der Foundation for the Promotion of Modern Sculpture Vaduz finanziert.
d) Schließlich erfolgte 2005 und 2006 die professionelle endgültige Erfassung der Sammlungen des Fritz Wotruba-Vereins in einem zeitgemäßen, individuell für den Vereinsbedarf programmierten Sammlungsverwaltungsprogramm, einer Datenbank.
e) Diese Erfassung bildete die Grundlage für die Bewertung der Sammlungen des Fritz Wotruba-Vereins (künstlerischer Nachlass Fritz Wotrubas, Privatsammlung Fritz Wotrubas, schriftlicher Nachlass, Bibliothek), die nunmehr in drei Gutachten vorliegt.


3. Gründung der Fritz Wotruba Privatstiftung

Mit Notariatsakt vom 23. Februar 2004 wurde die gemeinnützige Fritz Wotruba Privatstiftung gegründet. Damit wurde erst in der Zeit der Präsidentschaft von Dr. Seipel ein lang gehegtes Projekt und Ziel des Fritz Wotruba-Vereins, das auch in den Vereins-Statuten genannt ist, schließlich verwirklicht.


4. Wotruba-Museum

Die Errichtung eines Wotruba-Museum ist eines der zentralen Anliegen des Fritz Wotruba-Vereins. Nach Wotrubas Tod 1975 wurde das Projekt eines Wotruba-Museums der Stadt Wien trotz intensiver Bemühungen der Witwe Lucy Wotruba mit Wotruba zu Grabe getragen. Die Bemühungen um eine würdige öffentliche Präsentationsstätte des Werk Fritz Wotrubas, des bedeutendsten österreichischen Bildhauers des 20. Jahrhunderts, haben erst durch den Präsidenten Dr. Wilfried Seipel wieder neue Dynamik bekommen.

In den ersten Jahren seiner Präsidentschaft bemühte er sich um Aufnahme der Wotruba-Sammlung in das „Museumsquartier“. Die zugesagte Inkludierung der Werks Wotrubas, eines international bedeutenden Vertreters der klassischen Modernen Skulptur, in das Konzept des „Museumsquartier“wurde aber wieder zurückgenommen - zugunsten anderer Kunstformen. Dann zeigte die Albertina Interesse am Nachlass Wotrubas, um sich nach intensiven Verhandlungen dagegen zu entscheiden, und eine schließlich angedachte Möglichkeit eines Wotruba Museum bei der Wotruba-Kirche war letztlich nicht finanzierbar.

Doch Präsident Dr. Seipel ließ sich nicht entmutigen und setzte seine Bemühungen fort. Seit einigen Jahren nun besteht endlich Aussicht auf eine gute Lösung. Der Weltausstellungs-Pavillon von Karl Schwanzer, das ehemalige Zwanzgerhaus, wird saniert und soll eine neue Heimat und öffentliche Präsentationsmöglichkeit des Werks Fritz Wotrubas bieten. Auch inhaltlich steht der Standort in Beziehung zu Wotruba, denn anläßlich der Weltausstellung in Brüssel 1958 stand vor dem Schwanzer-Pavillon ein riesiges Bronzerelief von Fritz Wotruba.


5. Förderung des Werks Wotrubas durch enorme Ausweitung der Leihtätigkeit und Ausstellungsorganisation

In den Jahren vor 1995 hatte Herr Prof. Lanzenberger, ein profunder Kenner des Werks Wotrubas, ganz allein mit Umsicht und Sachkenntnis die Leihen von Werken Wotrubas zu Ausstellungen abgewickelt. Dr. Seipel, dem dieser Aufgabenbereich des Vereins ein ganz besonderes Anliegen ist, unterstützte die wichtige Arbeit Prof. Lanzenbergers, indem er über das Vereins-Sekretariat für eine professionelle Abwicklung der Leihvorgänge mit eigenen Leihverträgen, Erstellung von Zustandsprotokollen, Versicherungsabwicklung, bei sensiblen Objekten Kurierbegleitung etc., eben für Museums-Professionalität, sorgte. Auch lieferte der Verein auf Wunsch kurze Wand- und Objekttexte zu Wotruba für Ausstellungen und Katalog, die Mag. Stöger-Spevak verfaßte. Das Ergebnis dieser Maßnahmen war eine enorme Ausweitung der Leihtätigkeit und dementsprechend auch der Präsenz Wotrubas in Katalogpublikationen. Zahlreiche große Wotruba-Einzelausstellungen im In- und Ausland wurden in Zusammenarbeit mit den veranstaltenden Museen organisiert:
1995 eine Wotruba-Retrospektive im Palais Harrach
1998 in der Oskar Kokoschka Galerie in Prag und im Park der Österreichischen Residenz
in Prag
1999 im Kunstmuseum Magdeburg, in der Galerie Welz in Salzburg, im Rathaus von Weiden
2001 eine Wotruba-Ausstellung im Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck
2003 die exzellente Wotruba-Ausstellung im Museo d´arte di Mendrisio, ein Projekt, 2003 die Wotruba-Ausstellung in der Albertina,
2005 Im Rahmen der Grazer Veranstaltungen zum 100. Geburtstag von Elias Canetti zwei Ausstellungen von Fritz Wotruba, die auf diese Künstlerfreundschaft Bezug nahmen: im Österreichischer Skulpturenpark und in der Neuen Galerie in Graz
2006 Wotruba-Ausstellung in der American Austrian Foundation in Salzburg

Neben diesen Wotruba-Retrospektiven gab der Verein jährlich zahlreiche Objekte als Leihgaben zu Gruppenausstellungen und konnte viele Werke auch als längerfristige Leihgaben an interessanten Standorten platzieren, z.B. im Skulpturenpark Grenoble, im Museum der Moderne in Salzburg, im Österreichischen Skulpturenpark bei Graz, im Toskana-Hof in Wien.


6. Förderung des Werks Wotrubas durch verstärkte Bearbeitung und Betreuung von wissenschaftlichen Anfragen, von Anfragen von Galeristen, Privatsammlern etc.

Von Jahr zu Jahr wird die Zahl der Interessierten, die sich mit Rechercheanfragen verschiedenster Art (Forschungsfragen, Herkunftsfragen, Echtheit, etc.) an den Verein wenden, größer. Die Schaffung einer Fritz Wotruba-Homepage und einer eigenen email-Adresse macht die Kontaktaufnahme mit dem Verein seit einigen Jahren noch leichter.
Prof. Lanzenberger und Mag. Stöger-Stöger als Anlaufstellen dafür beraten von Galeristen bis zum Studenten alle Interessierten, empfangen auch Fachleute im Archiv und Depot beziehungsweise werden Archivanfragen schriftlich beantwortet. Einen wichtigen Aufgabenbereich stellt auch die Bearbeitung und Genehmigung von Reproduktionsanfragen dar. Seit der Präsidentschaft Seipels sind alle diese Service-Leistungen des Vereins dokumentiert.

7. Förderung von wissenschaftlichen Publikationen zum Werk Wotrubas

In die Ära Seipel fiel der Abschluß des Werkverzeichnisses der Skulpturen Fritz Wotrubas von Otto Breicha, Jürg Janett und Nicole Pfister, das im Erker-Verlag 2002 erschien. Zeitgleich konnte mit Hilfe des Wotruba-Vereins schließlich der Oeuvrekatalog des druckgraphischen Werks von Renata Antoniou bei Böhlau erscheinen, da Dr. Seipel die Finanzierung des Buchs über den Verein zusagte und der Verein die nötigen Mittel dafür von der Foundation for the Promotion of Modern Sculpture erhielt.
Mit einer würdigen Buchpräsentation im eleganten Rahmen des Kunsthistorischen Museums konnten diese schon lang erwarteten „Meilensteine“ in der Forschung zu Wotruba schließlich gefeiert werden.
Ansonsten fördert der Fritz Wotruba-Verein wissenschaftliche Veröffentlichungen, indem er keine Photoleihekosten oder Reproduktionsgebühren verrechnet, sondern Photomaterial kostenfrei zur Verfügung stellt.


8. Wahrung der Urheberrechte

Eine wichtige Aufgabe des Vereins stellt die Wahrung der Urheberrechte dar. Präsident Seipel hatte auch in diesem Bereich für eine sofortige aktive Behandlung und Aufklärung von derartigen Problemfällen, die von Vereinsmitgliedern berichtet wurden, unter Zuziehung von Fachleuten gesorgt.

9. Homepage

Durch die Schaffung einer Wotruba-Homepage konnen Interessierte leicht mit dem Verein in Kontakt treten. Die Inhalte der Homepage bieten einen ersten Einstieg in das Werk und Leben Wotrubas.


10. Zukunftsprojekte

Im Jahre 2007 sind aus Anlaß des 100. Geburtstags von Fritz Wotruba zwei interessante Ausstellungen geplant:
1. In der Pinakothek der Moderne in München, konzipiert von Dr. Michael Semff, dem Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Diese Ausstellung wird die Zeichnungen Wotrubas in den Mittelpunkt stellen, ergänzt durch einige wichtige Steinarbeiten.
2. Eine Wotruba-Ausstellung im Kunsthaus Zug, konzipiert von Direktor Dr. Matthias Haldemann, wird das bildhauerische Werk Wotrubas im Hinblick auf seinen künstlerischen Entstehungsprozess anhand von Gips-Arbeiten darstellen.

Auf den Fritz Wotruba-Verein bzw. die Fritz Wotruba Privatstiftung warten noch viele wichtige Aufgaben, wie die weitergehende Erschließung der Bestände, die Digitalisierung des Photoarchivs, die Erstellung eines detailliertes Stückverzeichnisses der tausenden Archivdokumente, der Aufbau einer professionellen Presse- und Sponsoringarbeit etc. und schließlich die Vorbereitung einer guten öffentlichen Präsentation des Werks Fritz Wotrubas, Österreichs wichtigstem Bildhauer des 20. Jahrhunderts.