Vom Umgang mit dem Werk Fritz Wotrubas - Der eigentliche und der vermeintliche „Skandal“
  Vom Umgang mit dem Werk Fritz Wotrubas -
Der eigentliche und der vermeintliche „Skandal“

Gabriele Stöger-Spevak


Der österreichische Bildhauer Fritz Wotruba (1907 - 1975), der zu Lebzeiten die Aufmerksamkeit der kulturellen Weltöffentlichkeit genoß, dessen Werk in zahlreichen internationalen Spitzen-Museen vertreten ist, der neben Musil und Canetti viele andere Künstler und Intellektuelle seiner Zeit seine Freunde nennen durfte, der 1945 aus dem Schweizer Exil ins kulturelle Vakuum Österreich zurückgekehrt war und als Künstler, Lehrer an der Akademie und Galerist das Wiener Kunst- und Kulturlebens wieder mitaufbaute, hatte sich bis zu seinem Tod 1975 nicht nur an seinen monumentalen Steinen mit künstlerischer Gewalt abgearbeitet, sondern wohl auch am hiesigen Kleingeist, der ihn offenbar auch noch über den Tod hinaus verfolgt.

Wie sonst ist es zu verstehen, daß seine plötzliche Medienpräsenz seit November 2006 leider nur recht vordergründig dem bedeutendem Werk dieses großen Österreichers gilt und offenbar vielmehr der Spekulation auf einen handfesten Skandal mit medienwirksamen klassischen Zutaten wie „einem wertvollen Nachlass“, „verschwundenen Millionen“, „Liechtensteiner Konten“ ..... zu verdanken ist.

Nach zwei Monaten Berichterstattung in News, Standard, die Presse, Treffpunkt Kultur etc. zur „Causa Wotruba“ dringen nach vielen Falschmeldungen und Unterstellungen allmählich auch jene korrekten Fakten durch, die schon zu Beginn der Diskussion im November 2006 auf der Homepage des Fritz Wotruba-Vereins nachzulesen gewesen wären.

Also nochmals zusammenfassend:
Drei Institutionen sind aktuell demselben Zweck, nämlich das Werk Fritz Wotrubas zu fördern, verpflichtet:
Erstens die Foundation for the Promotion of Modern Sculpture mit Sitz in Vaduz/LI, die auf eine von Fritz Wotruba 1974 gegründete Stiftung zurückgeht.
Zweitens der Fritz Wotruba-Verein, Wien, der, wie von Wotrubas Witwe Lucy testamentarsich bereits vorgesehen, nach ihrem Tod 1985 im Jahre 1986 gegründet wurde und der Erbe des künstlerischen Nachlasses Wotrubas sowie des Hauses von Lucy Wotruba in der Felix Mottl-Straße ist.
Drittens die Fritz Wotruba Privatstiftung in Wien, die von der Foundation und dem Fritz Wotruba-Verein im Februar 2004 gemeinsam gegründet wurde, deren Stiftungsvorstand sich aus dem jeweils amtierenden Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, des Kunsthistorischen Museums und einem Vertreter des Kunsthauses Zug zusammensetzt.

Zuletzt wurde in den Medien richtig festgestellt, daß der Fritz Wotruba-Verein keinerlei Ansprüche auf die Mittel der Liechtensteiner Foundation hat und rechtlich mit dieser nichts zu tun hat. Ebenso, daß die Foundation – was sie bereits im Juli 2004 erklärt hatte - zweckgebunden für die räumliche Ausstattung einer künftigen Wotruba-Präsentationsstätte weitere 500.000 € als Nachstiftung in die Fritz Wotruba Privatstiftung einbringen wird. Zu ergänzen ist, daß zwischen der Foundation und dem Verein seit der Wahl Prof. Dr. Wilfried Seipels zum Vereinspräsidenten 1995 eine gute Zusammenarbeit besteht und die Foundation wichtige Projekte des Vereins (Ausstellungen, Publikationen, Symposien) finanziell unterstützt.
Daß die Mitglieder des Fritz Wotruba-Vereins einhellig - und nicht, wie kolportiert, sein Präsident – beschlossen haben, den Verein aufzulösen, und daß das Vereinsvermögen wie auch der künstlerische Nachlass auf die dafür bereits gegründete Wiener Fritz Wotruba Privatstiftung übertragen werden - und keine Millionen irgendwohin verschwinden - dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Die Fritz Wotruba Privatstiftung wird gemäß ihrer Statuten die bisherigen Tätigkeiten des Vereins für das Werk Wotrubas weiterführen.

Recht mißverständlich war bisher die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Haus des Vereins in der Felix Mottl-Straße, das Lucy Wotruba nach dem Tod von Fritz Wotruba für die Unterbringung des künstlerischen Nachlasses erworben hatte. Es soll hiermit deutlich klargestellt werden, daß der Verein nicht etwa mutwillig den „letzten Willen Lucy Wotrubas“, dieses Haus als Wotruba-Museum zu nutzen „mißachtete“, denn dieser Eindruck entsteht in der Berichterstattung. Vielmehr gelangten nach Lucy Wotrubas Tod die Vereinsmitglieder schon 1987 zur gemeinsamen Erkenntnis, daß dieses Haus für einen professionellen Museumsbetrieb völlg ungeeignet war - aus baulichen und betriebliche Gründen, ganz abgesehen von seiner Lage fernab der Wiener Museumswelt in einem beschaulichen großbürgerlichem Wohngebiet, das auch der Person und Kunst Wotrubas völlig widersprach. Das Werk Wotrubas wäre dort der Vergessenheit anheim gefallen. Dementsprechend bemühte sich der Verein in der Folge, vor allem seit der Präsidentschaft Dr. Seipels ganz intensiv, um eine permanente Präsentation und Unterbringung des Werks Wotrubas in einem öffentlichen Museum. Doch die in Aussicht gestellten Möglichkeiten – noch in den 70er Jahren ein Wotruba-Museum der Stadt Wien im Prater, später im Wiener Museumsquartier, in der Albertina, der Bau eines Wotruba-Museums bei der Wotruba-Kirche in Wien-Mauer - zerschlugen sich auch mangels Interesse der Öffentlichkeit allesamt. Erst als das aktuelle Projekt spruchreif wurde, nämlich im „20er Haus“, dem Weltausstellungspavillon von 1958 von Karl Schwanzer, eine adäquate Plattform und Forschungsstätte für Wotruba zu schaffen, und mit dem Architekten bereits konkrete Verhandlungen zu Umbau und Sanierung geführt worden waren, verkaufte der Verein 2004 schließlich sein Haus, das bis dahin als Depot, Archiv und Büro diente.
Er brachte den künstlerischen Nachlass Wotrubas, Archiv und Bibliothek für die ja ursprünglich nur als recht kurz geplante Übergangszeit bis zur Installierung im 20er Haus in einem Kunstdepot unter, von wo aus er aktuell den Ausstellungs- und Forschungsbetrieb uneingeschränkt weiterführt. Leider dauert die Reaktivierug des 20er Hauses nun doch länger, was nicht vorhersehbar war.

Wenn schon unbedingt ein Skandal gesucht wird - besteht dieser nicht eigentlich darin, daß sich erst 30 Jahre nach Tod Wotrubas und auch nur zögerlich eine Lösung zu einer permanenten öffentlichen Präsentation seines bedeutenden Werks in einem Museum abzeichnet?

Der Fritz Wotruba-Verein als privater Eigentümer des Nachlasses leistete bisher aus eigener Kraft und rein privatem Engagement ohne jede öffentliche Subvention im Kleinen die Aufgaben eines Wotruba-Museums und einer Wotruba-Forschungsstätte (Ausstellungen, Finanzgebarung, Sammlungsdatenbank, Homepage, Reproduktionsfragen, urheberrechtliche Fragen, Kunsthändler-, Forscher- und Sammlerberatung). Und das nur mit einer Handvoll engagierter Leute, allen voran Präsident Prof. Dr. Seipel, Vizepräsidentin Christa Kamm und Prof. Engelbert Lanzenberger, Assistent Wotrubas und Kenner seines Werks.
Vor allem seit 1995 präsentiert der Verein beinahe jedes Jahr – offenbar von den Medien oft unbemerkt - eine große Wotruba-Einzelausstellung mit Werken aus Vereinsbesitz in Museen in Österreich oder im europäischen Ausland: 1992 Kunsthaus Zug/CH; 1993 Yorkshire Sculpture Park/GB; 1995 Palais Harrach/Wien; 1998 Oskar Kokoschka Galerie und Park der Österreichischen Residenz/Prag; 1999 Kunstmuseum/Magdeburg, Galerie Welz/Salzburg, Rathaus/Weiden Oberpfalz; 2001 Landesmuseum Ferdinandeum/Innsbruck; 2002 Museo d´arte di Mendrisio/CH; 2003 Albertina/Wien. 2004 Galerie Ulysses/Wien; 2005 Österreichischer Skulpturenpark und Neue Galerie/Graz; 2006 American Austrian Foundation in Salzburg. Zusätzlich schickte der Verein jährlich zahlreiche Einzel-Leihgaben zu Ausstellungen und machte laufend viele seiner Skulpturen gleich für mehrere Jahre der Öffentlichkeit zugänglich, derzeit z.B. auf der Freiterrasse des Museums der Moderne in Salzburg, im Österreichischen Skulpturenpark bei Graz, im neu errichteten Toskana-Hof von Gustav Peichl in Wien, aber auch im Parlament, im Bundeskanzleramt, im Innenministerium und in der Präsidentschaftskanzlei.

Den in den Medien mehrfach getätigten, doch leider ganz unzutreffenden Aussagen, wonach man sich in Wien begnüge, das bedeutende Werk Wotrubas in einem Depot liegen zu lassen - und das „auch heuer im Jahr des 100. Geburtstags von Fritz Wotruba“ - während anderwo Wotruba-Ausstellungen gezeigt werden, muß an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit entgegnet werden. Denn es ist ja der Fritz Wotruba-Verein, der für die beiden geplanten großen Wotruba - Ausstellungen in der Pinakothek der Moderne in München und im Kunsthaus Zug jeweils den Großteil der Werke besteuert und mitarbeitet. Mangels eigenem Museum kann der Verein ja leider keine Jubiläums-Ausstellung in eigenen Räumen in Wien ausrichten!

Aus welchem gerade aktuellen Anlass auch immer - dennoch erfreulich, dass ein breites Interesse an Fritz Wotruba und seinem Oeuvre rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag auch in Wien endlich erwacht ist. Denn für Wotrubas Zukunft gilt es noch viel zu leisten.



Mag. Gabriele Stöger-Spevak MAS
Kuratorin Fritz Wotruba-Verein, Wien
1. Februar 2007